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Forschungsprojekt „Arisierung und Wiedergutmachung in Mannheim 1933 – 1969“

Institutionelle Träger: Historisches Institut der Universität Mannheim (Prof. Dr. Johannes Paulmann); Institut für Stadtgeschichte Mannheim

Bearbeiterin: Dr. Christiane Fritsche

Kontakt: 3. OG , Zimmer 307, Tel.: 0621 / 181 - 2253

Forschungsprogramm:
Ziel des Projektes ist die umfassende Aufarbeitung der Verdrängung der Mannheimer Juden aus dem Wirtschaftsleben sowie der Wiedergutmachung nach dem Zweiten Weltkrieg. Arisierung und Wiedergutmachung wurden bis dato meist getrennt voneinander untersucht, sodass das Projekt mit der Analyse beider Prozesse wissenschaftliches Neuland betritt. Für eine Pionierstudie wie diese
bietet sich Mannheim hervorragend an: Schließlich lebte hier bis Anfang der 1930er Jahre eine der größten jüdischen Gemeinden im süddeutschen Raum, und zahlreiche jüdische Einzelhändler und Makler, Rechtsanwälte und Ärzte sowie Unternehmer hatten sich in Mannheim niedergelassen. Die Arisierung der Mannheimer Firmen und Geschäfte wird das Projekt in einem sehr weit gefassten Sinn untersuchen. Neben erzwungenen Verkäufen und Enteignungen wird daher auch geklärt werden, wie Juden ab 1933 durch Boykottmaßnahmen und öffentlichen Druck systematisch aus der Mannheimer Wirtschaft gedrängt wurden.

Konkret stehen bei der Analyse der Arisierung folgende Themenkomplexe im Zentrum:
•    der lokale Prozess der Verdrängung aus dem Wirtschaftsleben in seinen verschiedenen Phasen mit eventuellen Brüchen und Widersprüchlichkeiten,
•    die Frage, ob örtliche Stellen der Landes- und Reichspolitik vorauseilten oder ob sie ihr lediglich folgten,
•    die Opfer der Arisierungen und die Frage nach möglichen Handlungsspielräumen,
•    die Nutznießer der Arisierung, außer den Exekutivorganen v. a. die öffentliche Hand, Verbände und private Unternehmer, sowie
•    das Verhältnis von ideologischen und wirtschaftlichen Motiven bei der Arisierung.

Bei der Untersuchung der Wiedergutmachung wird sich das Forschungsprojekt auf folgende Aspekte konzentrieren:
•    die konkrete Entwicklung in Mannheim von der Betreuung Verfolgter durch die Fürsorge in der unmittelbaren Nachkriegszeit bis hin zur bundesweiten Wiedergutmachung,
•    das Verhalten der Beteiligten (der Überlebenden und der jüdischen Organisationen bzw. der Mannheimer Firmen, Privatpersonen und der Finanzverwaltung),
•    personelle Kontinuitäten in der deutschen Verwaltung und Rechtsprechung,
•    das Unrechts- bzw. Rechtsbewusstsein von Tätern, Nutznießern und Verfolgten, sowie
•    Lebensschicksale der überlebenden Juden seit ihrer wirtschaftlichen Verdrängung aus Mannheim.

Das Projekt wird von der Stadt Mannheim, der Universität Mannheim, Stiftungen und Einzelspendern finanziert. Die Bekanntgabe des Projektes hat in der Mannheimer Presse ein breites Echo ausgelöst. Daher werden erste Ergebnisse des Forschungsprojektes voraussichtlich im kommenden Jahr der interessierten Öffentlichkeit auf einer wissenschaftlichen Tagung präsentiert. Die gesamte Analyse von Arisierung und Wiedergutmachung in Mannheim wird in der Reihe des Mannheimer Stadtarchivs veröffentlicht.

Videos:

Frau Dr. Christiane Fritsche beim Rhein-Neckar Fernsehen:

Video der Pressekonferenz:

Artikel des "Mannheimer Morgen":

 
 
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